Rainer Sinell: "Als Bühnenbildner muss man einerseits mit den Technikern umgehen, andereseits auch sehr sensibel mit den Künstlern.“

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Schon auf dem Weg zum Interview begann Herr Sinnell begeistert von der Kooperation des Gärtnerplatztheaters und der Oper Köln zu erzählen:

Das Gärtnerplatztheater in München ist eigentlich in derselben Situation wie Köln auch: Es wird umgebaut. In München haben wir so 'ne Reithalle, die wir bespielen können. Natürlich muss man überlegen, wo das Publikum sitzt und da meinte Adam Cooper, der Regisseur, dass er das Publikum integrieren möchte. Wir wollten ein sehr minimalistisches Bühnenbild haben, denn es gibt ja zum Beispiel auch keine Züge, um Kulissen zu bewegen. Deshalb haben wir das Bühnenbild auf Stoffbahnen gemalt. Dafür habe ich 20 Szenenbilder, ca. 50x80 cm, entworfen und gezeichnet, die in der Oper Candide eine Rolle spielen. Beispielsweise das Zimmer von Cunegonde in Paris, mit dem großen Bett und Ausblick auf Notre Dame. Die wurden von den Bühnenmalern in auf große Formate übertragen und jetzt hängen immer drei übereinander.

Ist denn beim Transport des Bühnenbildes von München nach Köln etwas kaputt gegangen?

Nein, die Stoffbahnen konnten einfach aufgerollt werden und sonst gibt es wenig zerbrechliches.

Musste denn vieles angepasst werden für die Kölner Bühne?

In München ist die Bühne in der Reithalle schmaler, hier in Köln breiter. Auch die Raumhöhen sind verschieden. Spannend wird noch der Moment heute in der Probe, wo Candide und Maximilian in El Dorado ankommen: Der Goldvorhang muss sich im richtigen Moment entrollen. Dafür wird über einen Seilzug ein Stift aus beiden Rollen rechts und links im Bühnenbild gezogen und dann fallen beide hoffentlich gleichzeitig herunter.

Was war denn bisher Ihr schlimmster Moment als Bühnenbildner?

Also, ich würde das nicht auf einen bestimmten Moment festlegen wollen. Aber für Bühnenbildner ist eigentlich der schlimmste Moment die sogenannte 'technische Einrichtung': Wenn das Bühnenbild das erste Mal auf die Bühne kommt und man merkt und sieht, dass das Bühnenbild, das man entworfen hat, so nicht funktioniert. Da hilft dann nur die Erfahrung. Ich glaube schon, dass es mir mittlerweile gelingt, innerhalb der Schlussproben der letzten zwei Wochen, mithilfe natürlich des Theaters, das zu ändern, damit es gut aussieht. Also als junger Bühnenbildner war das schon schwierig!

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Kölner Team?

Das funktioniert immer gut. Es gibt ja diesen Spruch: Das Theater ist eine Familie. Das kann auch mal ganz furchtbar sein, aber wir gehören alle zusammen! Gerade als Bühnenbildner muss man einerseits mit den Technikern umgehen, aber auch sehr sensibel mit den Künstlern. Andererseits muss man auch eine Hornhaut haben, um das zu verdauen, was man so hört oder was einem gesagt wird.

Wenn Sie sich zurück erinnern an Ihren Schulabschluss: Würden Sie dieselbe Berufswahl noch mal treffen?

Ich glaube ja - obwohl ich heute wahrscheinlich eher Film oder Fantasy-Film machen würde, weil da noch mehr Dekoration gefordert wird.


Geführt von Emil Stoffelen und Konrad L&oml;hr

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