Benjamin Shwartz: “Für mich ist Europa das Zentrum der Musik.“

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Die Arbeit am Stück fängt ja schon gut ein Jahr vorher an, wieviel Arbeit macht denn die Einübung all dieser Musikstücke?

Gute Frage- also für mich fängt die Arbeit bereits an, sobald ich das Stück zum ersten Mal höre. Es informiert mich darüber, was ich mit dem Stück machen kann. Die ernste Arbeit begann für mich im letzten Sommer, also gegen Juli. Zu dieser Zeit habe ich auch die große Partitur gekriegt.

Wie viele Seiten hat diese Partitur denn?

500. Auch kann man sie nicht wie einen Roman lesen, da sie weder Anfang, Mittelteil oder Schluss hat. Es gibt so viele Sachen, die gleichzeitig gespielt werden und man kann nicht gleichzeitig 30 Zeilen lesen. Also fange ich mit der Stimme an, dann Stimme und Bassstimme oder Geige mit Bassstimme.

Sie haben ja schon viele Stücke dirigiert, wie schwierig sind denn die Bernstein-Kompositionen?

Nicht die schwierigsten - es geht ja in Richtung Operette. Es gibt also Text zwischendurch. Und da es nicht drei Stunden Musik am Stück sind, hat man Pausen, was es viel leichter macht.

Die Uraufführung ist ja nur noch wenige Tage hin. Wie viel Stress haben sie jetzt kurz vorher?

Hängt immer davon ab, wie gut die Proben laufen, und im Moment laufen sie ganz gut. Es gibt noch ein paar Schwierigkeiten mit dem Setting, da das Orchester hinter der Bühne sitzt. Wir müssen alles über Monitore machen, das verursacht ein wenig Stress.

Sie haben amerikanisch-israelitische Wurzeln, trotzdem zieht es sie immer wieder nach Deutschland – warum?

Die Musik natürlich! In Israel gibt es nur eine sehr reduzierte Musikkultur und die jungen Leute interessieren sich nicht besonders für Musik. In Europa gibt es eine sehr ausgeprägte Musikkultur und für mich ist es das Zentrum der Musik. Derzeit wohne ich in Berlin, von wo aus ich meine Reisen unternehme.

Sie haben ja schon viele Preise gewinnen können. Welcher war für sie persönlich der wichtigste?

(Herr Shwartz überlegt) Ich würde sagen, die Preise waren gar nicht so wichtig. In dieser Branche ist es schwierig anzufangen, da es keine offenen Stellen gibt, bei denen man sich bewerben könnte. Also muss man Verbindungen aufbauen, und hierfür dienen die Preise als Selbstwerbung, also als Mittel zum Zweck.

Ich gehe mal davon aus, dass Ihre Arbeit mit viel Aufwand verbunden ist. Macht sie denn immer noch Spaß?

Es kann wahnsinnig viel Spaß machen, es kann wahnsinnig stressig sein. Wenn etwas gut läuft, ist es natürlich ein großer Genuss oder Trost, vor allem, da das Projekt den meisten hier am Herzen liegt. Wenn etwas nicht gut läuft, ist das oft sehr schmerzvoll.

Leidet ihr Privatleben denn unter ihrer Arbeit?

Gute Frage, sehr gute Frage! (überlegt) Bisher nicht wirklich. Ich heirate bald und kriege ein Kind. Es wird anders und wahrscheinlich viel schwieriger. Es wird nicht leicht sein, denn ich muss für meine Arbeit reisen, weil - ohne geht´s nicht. Und wenn man eine Familie hat, ist es nicht gut, viel unterwegs zu sein. Sehr gute Frage, denn ich habe früher wirklich nicht daran gedacht, sondern nur an die Musik, und ich wünschte, ich hätte mehr über mein gesamtes Leben nachgedacht.

Wieviel Zeit investieren sie denn täglich?

Fast den ganzen Tag. Ja, ich lese ein bisschen, ich esse, aber sonst…. Aber nicht nur ich, sondern das gesamte Team hat zwei stundenlange Proben jeden Tag. So komme ich oft gegen 7 nach Hause, aber selbst dann muss ich immer studieren, Partituren lernen - also quasi 24 Stunden.

Dann bedanke ich mich für das Interview, hat Spaß gemacht.

Gern, und ich hoffe, dass du den Anfang unserer Probe noch genießen kannst!

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Geführt von Florian Gemein

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