Stefan Reich: "Mir hat schon immer dieses Theater 'live', dieses Improvisieren gefallen."

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Haben Sie überhaupt Spaß an Ihrem Beruf?

Ja, denn es gibt im Theater immer Dinge, die nicht vorauszuplanen sind und es gibt jeden Tag wieder neue Anforderungen. Zum Beispiel kann man heute irgendeinen Lautsprecher oder Monitor einbauen, der dann aber am nächsten Morgen stört oder zu leise ist. Dann muss dieser wieder abgebaut und neu platziert werden... Ja, man muss an solch einem Beruf schon Spaß haben.

Was war bis Jetzt Ihr Lieblingsprojekt und warum?

Ich muss erst einmal überlegen, denn ich bin jetzt schon hier seit 1999 am Haus und da gab es so einige Highlights. Aber das erste Interessante war ein Stück, in dem es darum ging, den Chor aufzunehmen, während dieser durch den Raum wanderte und es war deshalb ein technisch sehr anspruchsvolles Projekt. Aber auch ein Musical wie Candide ist natürlich tontechnisch sehr aufwändig und dadurch eine große Herausforderung.

Gibt es irgendwelche tontechnischen Besonderheiten, die im Projekt Candide herausstechen?

Ja, denn normalerweise ist es bei uns so, dass ein großer Teil der Solisten möglichst unverstärkt singt. Aber bei Candide ist es so, dass alle Sänger und Schauspieler mit Sprechrollen ein Mikrofon besitzen. Das bedeutet, dass 22 Mikrofone gleichzeitig 'gehandelt' werden müssen. Und dadurch, dass es keinen Orchestergraben gibt, sitzt das Orchester hinter der Bühne und ist somit zu leise. Deshalb müssen wir helfen, dass es möglichst unauffällig verstärkt wird, ohne dass es das Publikum merkt.

Hatten Sie schon einmal eine Ideenblockade, wie Sie ein Problem angehen wollten?

Ja, dass passiert immer wieder, dass man solche Blockaden hat. Bei mir ist es so, dass ich verantwortlich für diese gesamte Abteilung und ganz viele organisatorische Dinge bin, unter anderem auch für Stücke, die nächstes Jahr erst gespielt werden. Und dann klingelt das Telefon und ich werde gefragt, ob ich gerade Auskunft über einen ganz bestimmten Teil in einem Stück geben kann. Und dann kommt es insofern zu Blockaden, als ich erst einmal überlegen muss, was genau für welches Stück vereinbart worden war. Also, so etwas gibt es immer mal wieder.

Sind für die Oper Candide auch spezielle Videotechniken geplant oder geht es dabei nur hauptsächlich um den Ton?

Nein, es gibt auch ganz viele Videoprojektionen, wobei die Weltkarte bestimmte Effekte verliehen bekommt. Dabei spielt das Mapping eine wichtige Rolle in Absprache mit dem Licht, denn so können dann bestimmte Bereiche aus der Karte herausgestanzt oder transparent gemacht werden. Es werden auch ab und zu ein paar Pfeile eingeblendet und Effekte wie 'Wackeln'. Aber dafür gibt es einen externen Mann, denn das können wir einfach nicht leisten. Das ist ganz zeitintensiv und viel Zusammenarbeit mit der Beleuchtung und dafür fehlen uns beim Ton dann einfach die Leute und die Zeit.

Haben Sie vom Anfang Ihrer Laufbahn her geplant, Tonmeister zu werden oder war das eher ein Zufall?

Ich habe Tonmeister studiert in Detmold. Davor hatte ich schon Klavier studiert und währenddessen hat mal der WDR ein Konzert von mir aufgenommen. Dann bin ich in den Ü-Wagen gegangen und fand das so toll – da war bei mir der Punkt gekommen: Das will ich auch machen!

Und im Rahmen des Tonmeisterstudiums muss man Praktika machen, und eines davon war an der Oper Köln. Ja, und da bin ich hier hängen geblieben. (alle lachen)

Und fanden Sie es hier so schön und wollten bleiben oder wurden Sie einfach übernommen?

Beides. Mir hat schon immer dieses Theater 'live', dieses Improvisieren gefallen. Ihr müsst sehen: Abends um halb acht geht der Vorhang auf. Dann sitzen hier 800 oder im Opernhaus 1400 Leute, die wollen eine Vorstellung sehen, egal, wie ich das realisiere oder die Kabel zusammenhalte. Das ist das, was man im Studio nicht hat. Man hat nur eine Chance – das ist das, was mich fasziniert. "Zauberflöte" zum Beispiel: Wehe, du spielt den Donner an der falschen Stelle ab! Da musst du genau die Partitur mitlesen …

Bei uns an der Schule machen wir ja auch immer Musicals und dann mischen Edward und ich (Nils) den Ton. Und bei der Generalprobe erwischen wir uns dabei, dass wir schon die Lieder mitsummen – kennen Sie das auch?

Ja, die kann man doch schon lange vor der Generalprobe! Wenn man drei Wochen lang morgen uns abends probt …

So viele Proben haben wir nie, leider …(alle lachen)

Man will dann am Wochenende auch mal vergessen ….

… und dann erwischt man sich beim Kochen!(alle lachen)

Naja, man will das Stück natürlich kennen lernen. Das erleichtert ja auch die Arbeit.

(Herr Reich und die drei Schüler gehen rüber in den Opernsaal ans Mischpult und fachsimpeln noch über Probenalltag, Regler-Belegung und Kabelwege …)

Wieviel Meter Kabel haben Sie hier eigentlich verlegt?

Also, als wir hier letztes Jahr eingezogen sind – es gibt ja auch oben noch eine Halle – haben wir erstmal geschätzte 20 Kilometer Kabel verlegt. Audiokabel, Videokabel, Stromkabel … ich habe letztes Jahr 1000 Meter Stromkabel angeschafft – alles schon wieder weg!

Dann sehen wir uns zur Generalprobe wieder?

Ja, danke!


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