Raphael Kurig: „Man muss da immer up to date sein. Im Videobereich ändert sich wöchentlich alles!“

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Haben sie schon einmal den Begriff 'VJ' (Visual Jockey, A.d.R.) gehört und würden sie sich als einen solchen bezeichnen?

Also, ich arbeite als VJ, tatsächlich! (lacht) Ich arbeite als VJ auf Technofestivals und in München und würde mich dementsprechend als VJ bezeichnen. Allerdings hat das VJ-ing mit dem, was wir hier zu tun haben, nicht so viel gemeinsam. Der Unterschied liegt an den Programmen, die wir benutzen. Das, was wir hier machen, nennt sich 'Videodesign', so wie es auch 'Lichtdesign' gibt.

Haben sie ein spezielles Lieblingsprojekt?

Lieblingsprojekt… (überlegt kurz) ‚Candide‘ ist ja jetzt die Sache an der wir gerade arbeiten und eigentlich kann man nicht sagen, dass es Stücke gibt, die cooler sind als andere, sondern es gibt eigentlich nur die Stücke, an denen wir jetzt gerade arbeiten.

In diesem Fall ist es ‚Candide‘ mit dem Problem, dass man das Orchester eben verstecken muss, weil es hier keinen Orchestergraben gibt. Gleichzeitig soll das Orchester aber auch akustisch präsent sein. Deswegen haben wir ein Videomapping auf diese Karte gemacht: Da haben wir eine Leinwand genommen, auf die wir eine Karte gedruckt haben, damit, wenn wir die Projektion wechseln, man die Karte noch sieht. Dann haben wir eben dasselbe Bild nochmals draufgemappt und dadurch gibt es eine gewisse Tiefe, die man auch sehen kann. Und dann kann man solche Spielchen machen, dass man Teile dieser Karte auf einmal betont, zum Beispiel nur die Ringe außen. Wenn wir nur diese Ringe beleuchten und den Rest schwarz lassen, sieht man das Orchester. Das war eigentlich genau so das Ding, warum wir hier jetzt gesagt haben: Wir brauchen einen Videodesigner.

Und das nächste Ding, hier jetzt als Gimmick: In dem Stück reisen die Leute immer ganz viel rum und da haben wir noch einen Pfeil eingebaut, der immer reinkommt und dort einschlägt, wo die Leute gerade sind.

Wie viel Vorarbeit war es, dieses Videodesign für das Stück aufzubauen?

Bei der Bauprobe wird bereits entschieden, ob Video dabei ist - ungefähr ein halbes Jahr vorher. Drei Wochen vorher fangen wir dann an, mit dabei zu sein und unsere Videos so einzurichten, wie sie dann auf der Bühne sind: Brauchen wir ein Mapping? Brauchen wir ein 3D–Mapping? In diesem Fall ist es jetzt ein 2D-Mapping.

Warum ist hier das Mapping so wichtig? Weil das ja auf einen ‚Globular Film‘ projiziert wird und wenn der gezogen wird, von links, von rechts, von oben, ist das eben nicht mehr genau das JPEG-Bild, das beim Druck abgegeben wurde, sondern es ist leicht verzerrt. Und wenn du dann genau dieses JPEG wieder drauf schmeißt, dann hast du das Problem, dass das nicht mehr passt und es unscharf wirkt. Deswegen haben wir das unterteilt in 40 Raster und diese 40 Raster, diese kleinen Punkte, werden dann in der X und Y Achse soweit angepasst, dass das JPEG wieder genau drauf passt.

Haben Sie denn auch wirklich Spaß an ihrer Arbeit, beziehungsweise war die Ausbildung zu Ihrem Beruf auch spaßig?

Ja, aber es gibt an sich ja keine wirkliche Ausbildung für diesen Beruf. Es ist so, dass ich vorher Film und Animation studiert habe und mittels eines Praktikums im Theater gelandet bin, wo ich die Scheinwerfer kennen lernen wollte. Und da gab es dann plötzlich die ersten Stücke mit Beamern und es ging darum: Mensch können wir das nicht auch? Und wie kann man das am besten einsetzen? Und als wir dann die ersten Produktionen während des Praktikums gemacht haben, kam der Intendant und meinte: Hast du nicht Lust, als Videodesigner bei uns zu arbeiten und eine Abteilung mit aufzubauen. Das macht wahnsinnig viel Spaß, das ist ein ganz neuer Bereich!

Man sieht das zum Beispiel auch hier: In der Oper Köln gibt es noch keine Videoabteilung, das wird immer noch mitgemacht von anderen Abteilungen und da geht es jetzt auch hin: Dass wir in Vorreiter sind und dass wir uns selber überlegen können, wie wir am besten arbeiten, sodass der Zuschauer am Ende noch eine größere Begeisterung hat.

Also war es am Anfang so, dass Sie gar nicht wirklich Videotechniker werden wollten, sondern nur so durch Zufall hineingeraten sind?

Ja genau, ich hab am Anfang Film und Animation studiert, habe After Effects gekonnt, habe schneiden oder auch Kamera führen gelernt. Dann hab ich halt als VJ gearbeitet, auch für so Clubs, da war ich dann Anfang 20, und dann bin ich da eben so reingerutscht. Als dann Regisseure ankamen und meinten: Mensch da hätte ich gerne eine Wasserproduktion… Und es gibt dann eben Teile, wo die Beleuchtung auch nicht mehr weiter kam, wo es dann hieß: Wir brauchen da ein Videodesign! Das treibt das Gärtnerplatztheater jetzt komplett voran, da wir eben auch eine eigene Abteilung dafür haben. Da können wir auch relativ schnell Animationen erstellen und gestalten.

Ich hatte grade eben ja mal kurz After Effects rausgehört, wahrscheinlich dann auch Premiere Pro und so was…

Ja genau: After Effects, Premiere Pro, Cinema 4D, Black Magic Fusion ...

Was sind Ihre Lieblingsprogramme für Animationen etc.?

Also auf jeden Fall After Effects, das ist ja auch so der Standard, allerdings auch nur 2D, und wenn man dann größere 3D-Animationen machen will, braucht man halt Cinema 4D …

… oder halt Element 3D ...

Element 3D ist ja ein Plugin bei After Effects und funktioniert leider nicht ganz so gut wie Fusion ...

… und die Beleuchtung ist nicht so gut ...

Richtig, in dem Fall ist Fusion das Programm, was wir dafür jetzt benutzen, noch mehr als Cinema 4D, weil du wie in After Effects genauso schnell überprüfen kannst und nicht erst immer alles rausrendern musst. Du siehst quasi das Endergebnis schon die ganze Zeit und kannst das gestalten und bekommst nicht wie bei Cinemad 4D eine Wireframe Version deines Projektes.

Der Punkt, den wir noch gar nicht besprochen haben: Wie stellst du das auf die Bühne? Also mit welchen Medienservern? Wir arbeiten zum Beispiel mit der Pandoras Box. Das ist eine Kölner Firma, die weltweit bei allen großen Events dabei sind mit ihren Servern, die eben verhindern, dass ein Programm mal abstürzt. So dass man kein Windows Logo auf einer Staatsopern Premiere zu sehen bekommt.

Wir arbeiten halt auch parallel zur Beleuchtung zum Lichtcue: Wenn die Beleuchtung Magenta ist im ganzen Stück, dann wird das Video eben genau so Magenta gemacht oder eben die Komplementärfarbe. Also wir machen ganz viel Licht eigentlich, sodass es der Zuschauer im besten Fall auch gar nicht merkt, ob es jetzt Video- oder Lichtdesign ist.

Und ich denke mal, privat besitzen Sie auch diese Programme und investieren dementsprechend darein?

Ja, man muss da immer up to date sein. Im Videobereich ändert sich wöchentlich alles! Auf der Website von mir www.indivisualist.com sind da auch ein paar Beispiele zum Anschauen.

Spielen sie denn auch manchmal zuhause einfach mit den Programmen rum und versuchen, etwas Witziges zu animieren?

Absolut! Wie ich auch schon meinte, ist das eher eine Berufung als ein Beruf.


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