Norbert Hermanns - Bass, Chor der Oper Köln

Bild

Wo haben Sie studiert und wie sind sie zu diesem Engagement gekommen?

Ich habe in Essen an der Folkwang Musikhochschule Essen Gesang studiert und später an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf.

Also sind Sie gar nicht von hier?

Nein, ich komme aus Westfalen und bin ich einem kleinen Dorf südlich von Paderborn aufgewachsen. Ich habe zunächst Theologie und Religionspädagogik studiert, später Musikpädagogik, dann als Vorbereitung zur Gesangsaufnahmeprüfung halt Musikpädagogik und schließlich auch Gesang in Essen. Nach fünf Semestern habe ich gewechselt nach Düsseldorf, wo ich das Studium abgeschlossen habe.

Und wieso sind Sie zur Musik gewechselt? Spielt die theologische Seite immer noch eine Rolle?

Ich war auch in der Jugendarbeit und Krankenhausseelsorge tätig und witziger Weise habe ich später Musiktherapie berufsbegleitend studiert, als ich schon Opernchorsänger war (ich bin hier seit 22 Jahren im Haus). Naja, ich arbeite inzwischen wieder in der Klinik, in der Uniklinik hier, als Musiktherapeut im Paliativbereich und in der Onkologie, also mit Krebspatienten und mit Paliativpatienten, die nicht mehr schulmedizinisch auf Heilung therapiert werden, sondern wo es um die Lebensqualität geht, weil einfach keine Heilung mehr möglich ist. Und da kommt diese theologische Qualifikation nochmal ganz gut, dieses spirituelle.

Wie finden Sie persönlich das Stück "Candide"?

Ich find es total großartig, also auf verschiedensten Ebenen. Von dem Inhalt her finde ich es total spannend. Voltaire beschreibt darin ja, wie das aufklärerische Gedankengut mit dem Optimismus ein bisschen ad absurdum geführt wird. Durch die Aufklärung werden ja alle hierarchischen Strukturen hinterfragt. Zum Beispiel die Kirche hat dann oft das Heil gepredigt, eigentlich aber immer auf das Jenseits vertröstet. Das nimmt Voltaire ja total super auf‘s Korn.

Ich glaube, dass Voltaire seine Freude hätte, heute zum Beispiel den Papst Franziskus kennen zu lernen, weil Franziskus es wirklich ernst meint mit der Bergpredigt. Sich den Armen wirklich zuwendet und keine Doppelbotschaften macht, sondern dafür einsteht. Das finde ich spannend, solche Ebenen zu sehen.

Oder wir singen in Autodafé: What a day! What a day! What a perfect day for hanging! Dieser Katastrophentourismus, den wir heute haben, wenn es irgendwo knallt auf der Autobahn - das ist total pervers.

Aber auch vom Musikalischen her find ich es einfach total klasse. Adam Cooper, der ist ja einfach toll, er ist tiefenentspannt einerseits, aber andererseits ist er unglaublich klar in der Ansage. Er bleibt immer ruhig und schafft es, innerhalb von einer Probe unglaublich viel klar zu stellen. Es ist angenehm, mit solchen Weltklasseleuten zu arbeiten!

Und letztendlich die Musik von Bernstein: Ich find die total hammer! Diese Bläsersetze, die vielen Synkopen. Da ist so viel jazziges drin und unglaublich viel Dampf, also Energie, und das geht so in die Beine - das macht unglaublich Spaß!

Und wie ist das mit der Probenzeit? Geraten Sie unter Zeitdruck?

Also bei Candide habe ich mir die Noten tatsächlich auch mit nach Hause genommen. Wir haben aber auch einen Onlinestream vom Gärtnerplatztheater zur Verfügung bekommen, damit wir die Choreo schon etwas üben konnten. Mit Bewegung lernen fällt mir persönlich leichter als nur musikalisch. Und wenn ich das dann richtig verinnerlicht habe, habe ich auch richtig Spaß dran!

Danke für das Interview!

Gern, sehr gern!


Geführt von Eileen Sperling und Elke Schwuchow

Portfolio

Exkursion in die Werkstätten der Bühnen Köln am 26. Oktober (Teil 1)

Portfolio

Exkursion in die Werkstätten der Bühnen Köln am 26. Oktober (Teil 2)

Portfolio

Szenischer Workshop am BGH
11.11.2016

Portfolio

Interview: Nazide Aylin – Sängerin (Paquette)

Portfolio

Interview: Adam Cooper – Regisseur und Choreograph

Portfolio

Interview: Birgit Filimonow – Kostüm-Assistentin

Portfolio

Interview: Alexander Franzen – Sänger (Dr. Pangloss, Erzähler u. a.)

Portfolio

Interview mit Constantin Gerstein – Solo–Fagott (Gürzenich-Orchester)

Portfolio

Interview: Michael Heidinger – Beleuchtungs–Koordinator und –Meister

Portfolio

Interview: Norbert Hermanns – Bass (Chor der Oper Köln)

Portfolio

Interview: Kai Schuhmacher – Regieassistentin

Portfolio

Interview: Martin Koch – Sänger (1. Offizier u.a.)

Portfolio

Interview: Raphael Kurig – Videodesign (Gärtnerplatztheater München)

Portfolio

Interview: Carsten Luz – Solo-Posaunist (Gürzenich–Orchester)

Portfolio

Interview: Elena Maier – Sopran (Chor der Oper Köln)

Portfolio

Interview: Dirk Otte – 1. Violine (Gürzenich-Orchester)

Portfolio

Interview: Stefan Reich – Tonmeister

Portfolio

Interview: Frank Rohde – Musiktheaterpädagoge

Portfolio

Interview: Wolfgang Stefan Schwaiger – Sänger (Maximilian)

Portfolio

Interview: Benjamin Shwartz – Dirigent (Musikalische Leitung)

Portfolio

Interview: Rainer Sinell – Bühnenbildner

Portfolio

Westphalen – Die Ausgangslage im Schloss (Akt I, 1. Teil)

Portfolio

Candide unterwegs mit Dr. Pangloss (Akt I, 2. Teil)

Portfolio

Candide und Kunigunde fliehen für die Liebe (Akt I, 3. Teil)

Portfolio

List und Tod (Akt II, 1. Teil)

Portfolio

Der Weg durch den Dschungel Argentiniens (Akt II, 2. Teil)

Portfolio

Reise und Ankunft in Venedig (Akt II, 3. Teil)

Portfolio

Candide zweifelt, aber es gibt ein Happy End (Akt II, 4. Teil)

Portfolio

Leonard Bernstein

Portfolio

Und was hatte Voltaire damit zu tun?